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Business

Hallo 2022 (Jahresausblick)

04/02/2022

Auch dieses Jahr möchte ich so wie zu Beginn 2021 meine Pläne, Ziele und Wünsche für das neue Jahr hier auf meinem Blog schriftlich festhalten. Zur eigenen Dokumentation (schließlich war ein “Blog” früher ja auch mal ein “Online Tagebuch”), aber auch zum Einblick und evtl. Inspiration für Andere. Denn ich persönlich finde, jeder sollte sich mit dem Start in ein frisches Jahr mit seinen eigenen Gedanken dazu auseinandersetzen und einen (frischen?) Kurs festlegen – nicht in Form von frommen Vorsätzen, sondern viel eher in Form von persönlichen Meilensteinen und konkreten, erreichbaren Zielsetzungen. Zu keinem anderen Zeitpunkt im Jahr ist die Motivation und der Mut für einen Neuanfang oder Veränderungen so hoch wie im Januar. Also wenn nicht jetzt – wann dann?

Doch vor jedem Ausblick steht ein Rückblick auf Vergangenes und eine (persönliche) Reflexion bzw. (berufliche) Retrospektive, um an bisherigen Erfolgen weiter zu wachsen und mögliche, neue Wege zu identifizieren. Für mich ist dieser bewusste Stop/Start-Prozess nicht nur bei meiner Selbstverwirklichung förderlich, sondern für mein Seelenheil auch dringend erforderlich. Weil ich das bisher Erlebte dadurch 1. abschließen aber 2. auch als positive Chance nutzen kann. Auf diese Weise versuche ich Rückschläge, Enttäuschungen und negative Erfahrungen zu verarbeiten – privat und beruflich. In meinem vorherigen Blogbeitrag habe ich bereits dokumentiert, wie ich 2021 erlebt und was ich daraus für mich mitgenommen habe.

Was habe ich mir 2022 privat vorgenommen?

Die letzten zwei Jahre Pandemie, Lockdowns, Home Office und Kinder-Betreuungslücken haben Spuren bei mir hinterlassen. Daraus mache ich kein Geheimnis und ich glaube, dass sich viele (wenn nicht alle) Eltern ganz genauso fühlen. Der nervliche Drahtseilakt zwischen Pflichterfüllung im Job und zeit- und ortsgleicher (!) Pflichterfüllung in der Kinderbetreuung hat einen Punkt erreicht, an dem ich nur noch schwer Hoffnung schöpfen und letzte Kraftreserven aktivieren kann. Die Diskussionen über die faire Aufteilung von Care Work und Work zuhause machen mich mürbe und rauben Energie, die ich viel lieber in die (Weiter-)Entwicklung meines Unternehmens und meiner Kinder stecken würde. Doch damit bin ich nicht alleine und teile mein Leid mit vielen Anderen – diese Herausforderungen für uns “Corona-Eltern” kann ich auch 2022 nicht verändern.

Was ich aktiv umgestalten kann ist die Umgebung, in der wir dieser Doppelbelastung bis zum endgültigen Ende der Pandemie ausgesetzt sind: unsere 3-Zimmer-Wohnung, in der unser “Home Office Arbeitsplatz” der halbe Esstisch im Wohnzimmer ist, auf dem nun bereits seit 2 Jahren direkt neben unserem Familienfrühstück Monitor, Tastatur und andere Arbeitsgeräte stehen. Das ist nicht nur unschön, sondern mittlerweile ziemlich belastend für uns alle, wenn im “Mittelpunkt der Wohnung” stundenlang Meetings stattfinden und drum herum irgendwie der Alltag weiter funktionieren soll. Deshalb haben wir uns für 2022 als Ziel gesetzt, ein neues und größeres Zuhause inkl. 4. (Arbeits-)Zimmer und Garten (für Toto) zu finden. Eigentlich wollten wir so lange wie irgendwie möglich in unserer “Ferienwohnung mit Alpenpanorama” bleiben, doch nun ist das Bedürfnis nach mehr Fläche und Verteilung für die einzelnen Personen und ihre Beschäftigungen größer. Wir sind sehr gespannt, ob wir in den kommenden 12 Monaten ein bezahlbares Haus zur Miete bei uns in der Gegend finden werden – wir sind auf jeden Fall schon aktiv auf der Suche danach.

Was die letzten zwei Jahre durch die Doppelbelastung ebenfalls zu kurz kam, ist exklusive Familienzeit. Wenn man Arbeit, die man in der regulären Arbeitszeit aufgrund von Kinderbetreuung nicht leisten kann, am Wochenende nachholen muss, leidet selbstverständlich die gemeinsame Erholungszeit stark darunter. Zwar waren wir sowohl 2020 (Kleinwalsertal) als auch 2021 (Kroatien) im Urlaub, aber wir haben gemerkt, dass uns mal wieder ein längerer Abstand von den eigenen vier Wänden fehlt. Deshalb wollen wir Mitte des Jahres nochmal ein paar Wochen mit dem Campervan unterwegs sein – diesmal aber anders als bei #DieCappellsInSchweden 2019 im (hoffentlich) warmen Sommer und im Nachbarland Norwegen. Fjorde, Wasserfälle, Kanelboller – darauf freuen wir uns jetzt schon riesig!

Last but not least möchte ich 2022 endlich wieder mehr zu mir selbst finden: meinen Wurzeln, meinen Vorlieben, meinen Antrieben aber auch meinen Abneigungen. Die tägliche Arbeit im Social Media hat dazu beigetragen, dass mein “Profil” sich in einigen Bereichen schleichend der “Masse” angepasst hat und ich mehr und mehr an Selbstbewusstsein verloren habe. Das spiegelt sich sogar in einem Zitat aus unserer letzten Kundenumfrage wider: “Ist viel negativ, entschuldigend geworden. War mal badass und kreativ und selbstbewusst.” Badass. Ja, das ist genau die Bezeichnung, die ich mir selbst früher gegeben hätte. Und genau da will ich wieder hin.

Was habe ich mir 2022 beruflich vorgenommen?

Sometimes growing looks a lot like shrinking.

Mein Beruf und mein Privatleben hängen seit dem 15.04.2016 (Beginn meiner Selbstständigkeit) unweigerlich zusammen. Wer sich so wie ich ab Tag 1 voll und ganz seiner Leidenschaft widmet, sich immer weiter entfaltet und niemals still steht, lässt früher oder später ein paar Federn. Meine Marke Frau Hölle ist mit mir selbst in den letzten 5 1/2 Jahren quasi verschmolzen und jeden Erfolg aber auch jede Enttäuschung erlebe ich zutiefst persönlich. “Abstand” zu meinem Beruf gibt es nicht – weder örtlich noch zeitlich. Ich bin Frau Hölle. 24/7 und 365 Tage im Jahr. Mein gesamtes Business und die meisten meiner Produkte waren dabei fast immer Reaktionen auf die Wünsche und Bedürfnisse meiner Follower:innen. Es gab nie einen Businessplan, eine 7-Jahres-Strategie oder Umsatzziele. Es gab immer nur meinen unbändigen Willen und Unternehmergeist innovative Produkte zu erschaffen, die es einem “Laien” ermöglichen kreativ zu sein. Doch egal ob Sketchnote Workshops, Hand Lettering Guides, eigene Onlineshop Produkte, kuratierte Partnerprodukte, Onlinekurse, Newsletter, Livestreams, usw. – jeder (erfolgreiche) Schritt wurde mit zeitlichem Versatz von meinen Mitbewerber:innen adaptiert. Und so bin ich seit 5 1/2 Jahren fast täglich getrieben von der Suche nach neuen Ideen, Produkten und Marktinnovationen. Mitschwimmen war noch nie mein unternehmerisches Ziel – neu erfinden dagegen schon.

Fehlende Innovationsmöglichkeiten

Genau da ist aber der Knackpunkt. Nach Sketchnote, Lettering, Watercolor und Gouache als Themenschwerpunkte erkenne ich aktuell für mich keine neuen Techniken mehr, die mich reizen. Und: Innovationsmöglichkeiten sind mittlerweile Fehlanzeige. Es gibt für mich nichts mehr, was mich reizt, was mein Feuer entfacht und was ich unbedingt (weiter-)entwickeln möchte. Dieses Gefühl ist neu für mich, aber ich spüre es sehr deutlich und nehme dieses Zeichen sehr ernst.

Starke Ausgebranntheit

Was ich ebenfalls spüre ist eine innere Dürre, die ich so bisher auch noch nicht kannte. 2 Jahre Pandemie haben mich müde gemacht. 2 Jahre Home Office mit Kleinkindern haben mir meine letzten Kräfte geraubt. 2 Jahre im ständigen “Überlebensmodus” für mein Unternehmen haben mich ausgebrannt. Die Sorgen um die regelmäßige Neuausrichtung meines Unternehmens (v.a. nach dem Wegfall unserer primären Einnahmequelle = Workshops im 1. Lockdown), die Ansteckungsgefahr meiner Mitarbeiter:innen und das Fortbestehen meines jahrelang aufgebauten Studios haben die letzten Jahre unentwegt meine Gedanken bestimmt.

Schlechte Stimmung

Bei meinem Jahresrückblick hatte ich bereits festgestellt, dass die allgemeine Stimmung in der deutschen Künstlerszene und v.a. der Respekt und die Kollegialität untereinander an einem Tiefpunkt angekommen sind, an dem ich mich nicht mehr darin wohl fühle. Ich habe mittlerweile so viele Vertrauensbrüche und Lügen erlebt, dass ich mich nur noch meinem “Inner Circle” öffne und meinen eigenen Weg gehe.

Dezimiertes Team

Seit 2017 habe ich ein Team aus aktuell insgesamt 8 Mitarbeiterinnen aufgebaut, das im Hintergrund alle wichtigen Prozesse lenkt und für mich eine wichtige Stütze ist. Am längsten mit dabei ist meine Marketing Managerin, Recruiterin und beste Freundin Elvine, die im Juni 2022 in Elternzeit geht. Damit fehlt mir vorerst mein wichtigster Counterpart, der sich all meine verrückten Ideen anhört und ehrlich seine Meinung dazu sagt. Jeden Erfolg haben wir gemeinsam gefeiert und jede Enttäuschung gemeinsam analysiert. Daran werden wir weiter anknüpfen – aber erst nach ihrer verdienten Elternzeit.

All diese Tatsachen haben einen erst stillen und dann immer lauter werdenden Wunsch in mir geformt, den ich dieses Jahr Wirklichkeit werden lasse:

ein Sabbatical.

Das Sabbatical oder das Sabbatjahr ist ein Arbeitszeitmodell für einen längeren Sonderurlaub. Der aus den USA stammende Begriff sabbatical (von hebräisch schabat: ‚aufhören‘, ‚ruhen‘), nach dem Sabbatjahr in der Tora (Bibel), wurde von Professoren an US-amerikanischen Universitäten als Begriff für ein Forschungssemester oder Freisemester geprägt. Im weiteren Sinne beschreibt Sabbatical/Sabbatjahr einen Zeitraum der Teilzeitarbeit oder Freistellung, umgangssprachlich auch Auszeit genannt. (Quelle Wikipedia)

Eine Auszeit für mich selbst, genau das soll es sein. Von Juni bis Dezember 2022 werde ich aus dem Daily Business Hamsterrad aussteigen, keine Projekte, Kooperationen o.Ä. umsetzen und keine tägliche Werbung auf meinen Social Media Kanälen posten. Der Onlineshop bleibt weiterhin geöffnet (und wird sogar weiter gefüllt) und mein Team kümmert sich um jede Bestellung, Kundenanfrage und die Betreuung aller Kanäle. Ich möchte diese Auszeit nutzen, um nach den letzten, turbulenten Jahren meiner spannenden Reise meinen inneren Anker wiederzufinden, meine Route (Mission/Vision) zu hinterfragen und nach neuen Zielen Ausschau zu halten. So wie Stefan Sagmeister brauche ich einfach mal einen Reboot, um danach mit neuer Motivation und Kraft auf meiner Reise wieder an Fahrt aufzunehmen. Ich möchte in dieser Zeit auch Dinge tun, die ich seit Jahren vor mir herschiebe, z.B. Bücher lesen, (Online-)Kurse absolvieren, Produkte in Ruhe testen, viele Spaziergänge machen und die Gedanken dabei einfach schweifen lassen.

Für den Neustart/Wiederbeginn 2023 habe ich bereits konkrete Ideen – doch es wird sich zeigen, ob diese während des Sabbaticals reifen oder durch andere ersetzt werden!

Was ist 2022 im Frau Hölle Studio geplant?

Diese Entscheidung beeinflusst selbstverständlich die Jahresplanung und Roadmap des gesamten Unternehmens, denn für (Kreativ-)Projekte stehen nur 6 statt 12 Monate zur Verfügung. Vor diesem Hintergrund haben sich Elvine und ich Mitte Januar Gedanken gemacht, was wir vor unserer “Auszeit” alles noch gemeinsam realisieren wollen, bevor wir unsere Ideen erst einmal ruhen lassen. Zum ersten Mal haben wir uns dafür 3 Tage im Allgäu “weggeschlossen”, um ohne die Ablenkungen des Daily Business fokussiert und effizient “hirnen” zu können.

Dabei haben wir denselben Prozess verfolgt wie schon die Jahre zuvor:

Reflektion → Retro → Strategie → Quartalsziele → Roadmap

Zu Beginn standen diesmal gleich zwei Retrospektiven für uns an:

  1. Retro 2021 Intern
    • Blumen: was haben wir geliebt, was lief gut?
    • Unkraut: was hätten wir weglassen können, was war schwierig?
    • Dünger: wie können wir uns verbessern?
  2. Retro 2021 Extern
    • Auswertung unserer großen Kunden-Umfrage aus KW 1 (1097 Antworten)
    • Fokus auf Wunschthemen, Wunschprodukten und Kritik (“Was gefällt dir weniger gut an der Frau Hölle Welt?”)

Auf Basis der gesammelten Erkenntnisse ging es anschließend in die “heiße Phase”, in der wir bestehende Produkte/Formate aber auch neue Ideen bewertet und in das “Start, Stop, Continue”-Modell eingeordnet haben:

Start

= was soll künftig (neu) gemacht werden?

  • monatlicher Newsletter
  • Monatsthema
  • monatlicher, gebündelter Launch
  • Monthly Magazine auf dem Blog
  • COTM Produkt Bundle
  • “Creativity Booster” Livestream-Serie (snackable)
  • Onlineshop-Optimierung

Stop

= was soll künftig unterlassen werden?

  • wöchentlicher Newsletter
  • #gemeinsamkreativ Livestreams
  • COTM Set als eigenes Produkt
  • Launches nach Lust und Laune
  • zuviel (Eigen-)Werbung in Livestreams
  • lange Material-Erklärungen in Livestreams

Continue

= was soll künftig fortgesetzt werden?

  • COTM Challenge
  • Live Online-Workshops
  • IG Werbung (Posts, Stories)
  • Wissensaustausch mit Künstlern, Ambassadoren und Community
  • Onlineshop-Sortimentserweiterung

Und auch über die noch sinnvollen und zeitlich möglichen größeren (Kreativ-)Projekte haben wir ausführlich diskutiert… und sind zu folgender Zielsetzung gekommen:

  1. Abschluss der Schmincke Editions Serie mit 2 Loose Landscapes Kästen
  2. Branding eines eigenen Gouache Papiers
  3. Mini-Onlinekurse

2022 – und dann?

All das möchten wir gemeinsam noch bis Mai/Juni 2022 umsetzen, wohlwissend, dass wir bis dahin auch noch unsere neue Kollegin für die 6-monatige “Studio-Übernahme” einarbeiten müssen. Doch wir sind hoch motiviert und möchten das “halbe Geschäftsjahr 2022” nochmal richtig rocken, bevor wir dann erstmal “von der Bildfläche” verschwinden. Für mein Sabbatical habe ich mir bereits einige sehr konkrete Ziele gesetzt, wie z.B. Loose Landscapes Techniken und Motive mit meinen neuen Aquarellkästen üben, üben, üben! Und sogar für den Neustart 2023 habe ich bereits (Geschäfts-)Ideen, die mich jetzt schon in den Fingern jucken, aber die erst noch gedeihen müssen.

Zwei Dinge sind auf jeden Fall sicher: 1. es wird mit Frau Hölle auf jeden Fall weitergehen und 2. Kreativität wird immer zentraler Bestandteil meiner Marke bleiben (und Kleckse!).

Mein Leitwort 2022

Auch dieses Jahr stelle ich wieder unter einen Sammelbegriff, das sogenannte Word Of Intention” (= Leitwort, siehe Jenna Kutcher). Dieses Wort soll mich 12 Monate lang begleiten und mir immer wieder den Weg weisen. Nach der Veränderung 2021 benötige ich dieses Jahr zur Umsetzung meiner Vorhaben vor allem eines:

M U T.

Das Festhalten am Status Quo ist leicht und bequem: man weiß genau, was aktuell gut funktioniert (und wie) und kann diese Sicherheit beibehalten. Man kennt jede Kurve, Abzweigung und Rastplatz dieses Weges. Doch ist die Richtung dabei immer noch richtig? Tut mir der Weg immer noch gut? Oder liegen mittlerweile so viele Steine vor meinen Füßen, dass er immer beschwerlicher wird? Ein Richtungswechsel (= Veränderung) erfordert Kraft (Trägheitsgesetz) und Mut. Doch dafür wird er vielleicht mit ganz neuen Perspektiven belohnt.

Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

Hermann Hesse “Stufen”

Fotos: Lisa Hantke

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