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Allgemein

Create, don’t copy.

20/03/2019

Lange habe ich mit diesem Beitrag gehadert… ehrlich gesagt sogar schon einige Jahre. Aber jetzt erhebe ich meine Stimme für #createdontcopy! Nach #createdonthate möchte ich auch mit diesem Motto Aufmerksamkeit schaffen für ein wichtiges und weit verbreitetes Tabu-Thema: das Kopieren von Designs, Produktideen und Konzepten.

2014 war ich eine der Ersten, die „Brush Lettering“ in Deutschland über Social Media bekannt gemacht haben – und seitdem habe ich so ziemlich alles an Copy Cats auf dem Markt und v.a. Instagram gesehen. Nun ist „Kopieren“ ja gar nicht generell verboten und jedes Kunstwerk stammt bekanntermaßen von irgendeinem anderen Kunstwerk ab… aber wie geht „Kopieren“ eigentlich richtig? Was ist erlaubt und was nicht? Und wie können wir sogar noch etwas daraus lernen?

Austin Kleon hat in seinem Buch “Alles nur geklaut” (Affiliate-Link) gut beschrieben, wie man rechtlich und auch menschlich zulässig “Ideen recycelt” und eigene Erfolge damit erzielt:

  1. Gute Ideen von Anderen sammeln
  2. Die Ideen studieren und analysieren
  3. Alle Ideen miteinander mixen
  4. Eine ganz eigene Neuschöpfung daraus machen
  5. Den ursprünglichen Ideenhabern Credit geben

“Ein guter Künstler weiß, dass nichts aus dem Nichts kommt!”

Austin Kleon – “Alles nur geklaut”

Es ist also völlig normal, dass Ideen weiterverwendet werden – sofern dies in der angemessenen Form geschieht! Ein Lettering (Wort im künstlerischen Schriftstil), einen Lettering Guide (Schriftanleitungen mit Linienraster und vorgedruckten Buchstaben) oder ein Workshop-Setup (Farben, Deko, Stationen, Goodies, usw.) von mir 1:1 nachzumachen ist KEINE kollegiale Wertschätzung sondern schlicht und ergreifend ein mieses Plagiat. Und davon musste ich in den letzten Jahren leider so einiges sehen – die “Diebe” teilweise kackendreist, teilweise völlig naiv und weltfremd.

Unwissenheit schützt nicht vor rechtlichen Konsequenzen! So ein Plagiat kann ganz schnell auch zu einem Fall von Urheberrechtsverletzung werden, v.a. wenn damit Geld verdient wird. Umso wichtiger ist die Einhaltung der oberen Regeln – um sich selbst, Andere und die Kunst als solche zu schützen. Wenn du dir nicht sicher bist, was du darfst und was nicht, informiere dich VORAB (z.B. bei einem Rechtsanwalt) oder bitte andere Künstler um Hilfe. Was einmal veröffentlicht ist (analog oder digital, selbst wenn es wieder gelöscht wurde) bleibt ein Tatbestand!

Auch ganz wichtig: Imitation ist kein Kompliment! Wenn jemand meine (Kunst-)Werke, Produkte oder Veranstaltungen kopiert (oder noch schlimmer: verkauft) ist das keine Form von Anerkennung meiner Arbeit sondern eine dreiste Raubkopie. Denn erstens hat er bei Wiederverwendung nach meiner Erlaubnis zu fragen, zweitens hat er mir Credit zu geben und drittens (und am besten!) hat er sein eigenes Ding draus zu machen. Sätze wie “Aber das muss doch toll sein, seinen Schriftstil/Farbwelt/usw. überall auf Instagram zu sehen!” kann ich nicht. mehr. hören. Noch dazu ist Imitation wie ein Lauffeuer – wer einmal ein Feuer aka eine Kopie gelegt hat kann die Verbreitung davon nicht mehr stoppen… und findet sich bald in einer Welt aus 1001 (langweiligen, da nicht innovativen) Copy Cats wieder.

Auch die Übertragung einer bestehenden Idee in einen neuen Markt/Land/Zielgruppe ist legitim und sehr oft erfolgsversprechend… aber setze dich vorab mit dem ursprünglichen Ideenhaber in Kontakt und erkläre ihm ehrlich, was genau du mit seiner Idee machen möchtest (und warum du selbst so begeistert davon bist!). Aktion ist immer besser als Reaktion und ich habe mit dieser “Taktik” bisher nur positive Erfahrungen gemacht. Auch hier gilt wieder: glaube nicht, dass dich Künstler aus anderen Ländern, ohne IG usw. nicht irgendwann auch entdecken… die Welt ist ein Dorf! 😉

Kopieren kann bei der eigenen, künstlerischen (Weiter-)Entwicklung nichtsdestotrotz auch ganz hilfreich sein! Mein “Frau Hölle Signature Lettering-Stil” beispielsweise ist eine bunte Mischung aus mindestens 5-8 Schriftstilen anderer Künstler. Das lässt sich auch schon deshalb gar nicht vermeiden, weil jeder Lettering Artist zu Beginn ja erstmal irgendein Lettering Alphabet nachmalt, um die Formen, Bewegungen und Pausen zu üben. Fair enough – beißt sich dann die Katze in den Schwanz? Ganz und gar nicht, denn der “Übungsmodus” unterscheidet sich maßgeblich vom “Produktionsmodus”. Während man seine Hand trainiert und an die ungewohnten Auf- und Abschwünge gewöhnt darf soviel kopiert, imitiert und nachgemalt werden wie man möchte. Solange die Ergebnisse privat bleiben oder NUR MIT CREDIT veröffentlicht werden. Ich empfehle dir aber von Anfang an nicht “dumm” zu kopieren sondern aufmerksam auf die Besonderheiten des Künstlers, seinen sogenannten “Signature Stil”, zu achten: was gefällt dir daran besonders gut? Warum? Was kannst du vielleicht mit ein paar kleinen Änderungen hinsichtlich Größe/Winkel/Abstand selbst daraus machen?

Ich freue mich auf deine Meinung zu dem Thema – und kann nur noch einmal wiederholen: Credit geben tut keinem weh, heimlich kopieren aber umso mehr (und evtl. auch dem Geldbeutel und Gewissen!).

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